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Adventskalender #4: Der Plattenspieler

DJ-Pult

Mittlerweile leben wir in einem Zeitalter von MP3s, iTunes Store und digitalen DJ-Systemen.
Dennoch halten sich die vermeintlich veralteten Plattenspieler bei den DJs und Musikliebhabern tapfer ihre Stellung.
Sei es einfach zum Abspielen ganz normaler Vinyls oder auch als Controller via Timecode für digitale Vinyl-Systeme.
Fakt ist also, dass die Plattenspieler nach wie vor präsent sind und auch in absehbarer Zukunft nicht aus den Clubs verschwinden werden.

TECHNIK

Konstruktionseinheiten des Plattenspielers

Wie auch die früheren Vorläufer des heutigen Plattenspielers bestehen die aktuellen Modelle aus zwei grundlegenden Konstruktionseinheiten.
Die Grundelemente bilden das Antriebsaggregat, welches aus dem Chassis, dem Antrieb (Motor) und dem Plattenteller besteht.
Zur Abtastung und Übertragung des Signals, dient der sogenannte Schallplattenabtaster, bestehend aus Tonarm und dem Tonabnehmer-System.

Verschiedene Bauarten von Plattenspielern

Im Grunde gibt es zwei verschiedene Bauarten von Plattenspielern.
Es gibt jene Modelle, bei denen das Antriebsaggregat oder der Schallplattenabtaster federnd im Hauptchassis aufgehängt sind.
Das dient dazu, dass der Plattenspieler von Schwingungen von außen (Stöße, Körperschall, etc.), entkoppelt wird.
Beispiel-Modelle hierfür sind alte Thorens-, Garrad- und Dual-Plattenspieler.

Die andere Bauform wäre eine starre Konstruktion von Antriebsaggregat und Schallplatten-Abtaster.
Das hier eine gute Entkopplung von Körperschall erreicht wird, sind die Füße des Chassis mit einer Dämpfung oder sonstigen entkoppelnden Vorrichtungen ausgestattet.
Zudem haben diese Modelle sowohl das Chassis wie auch der Plattenteller eine relativ hohe Masse.

Während für die Hi-Fi-Enthusiasten gefederte Aufhängungen durchaus Sinn machen, eignet sich für DJs nur die zweite, starre Konstruktion.
Grund hierfür ist, dass bei den gefederten Aufhängungen die Konstruktionseinheit (Plattenteller & Tonarm) des Gerätes zu „schwimmen“ beginnen, sobald die Schallplatte berührt oder zurückgedreht wird.
Beispiele für die zweite Bauart während der Technics 1200/ 1210 MK II, der Vestax PDX 3000 MK II oder der Numark TT USB.

Antriebsarten

Man kann mit verschiedene Möglichkeiten, das Drehmoment des Elektromotors auf den Plattenteller übertragen.
Die wichtigsten Antriebsarten davon sind der Reibrad-, der Riemen- und der Direktantrieb.

Reibradantrieb

Beim Reibradantrieb wird die Kraft des Motors über eine Andruckrolle aus Gummi (Reibrad) auf den Plattenteller übertragen. Dieses Reibrad drückt mithilfe einer Feder sowohl gegen die Spindel des Motors wie auch gegen die Innenseite des Plattentellers. Durch eine Höhenverstellung des Reibrads können verschiedene Übersetzungen und somit verschiedene Abspielgeschwindigkeiten (33, 45 & 78 RPM) realisiert werden. Gebaut wurden Plattenspieler mit Reibradantrieb bis Anfang der 80er Jahre, typische Marken sind Dual und Philips.

Der Name Reibradantrieb verrät, dass hier bei der Kraftübertragung eine Reibung (genauer: Rollreibung) entsteht, die unmittelbar auf den Plattenteller übertragen wird. Die dadurch entstehenden Schwingungen (Rumpelstörungen) erzeugen leichte Störgeräusche im Tonabnehmer, die das Nutzsignal überlagern. Daher gelten diese Laufwerke als qualitativ eher minderwertig. Sie sind somit für DJs trotz ihres oft recht hohen Drehmoments uninteressant.

Riemenantrieb

Die Kraft des Motors wird bei Plattenspielern mit Riemenantrieb über einen Flachriemen aus Gummi von der kleineren Motor-Spindel auf eine größere Walze am Plattenteller übertragen. Diese Walze befindet sich entweder unterhalb oder wie bei High-End-Geräten am äußeren Rand des Plattentellers. Weil bei riemengetriebenen Laufwerken Motor und Plattenteller durch einen Gummiflachriemen getrennt sind, haben sie wesentlich geringere Rumpelstörungen als z.B. reibradgetriebene Ausführungen.

Ein wichtiges Qualitätsmerkmal hochwertiger, riemengetriebener Laufwerke ist ein geregelter Gleichstrommotor. In den wichtigen Punkten Drehzahlumschaltung, Gleichlauf und Feinregulierung des Pitchs liefert dieser wesentlich bessere Werte als ungeregelte Motoren. Zur Drehzahlregulierung ist an der Motorwelle zusätzlich ein Frequenzgenerator angebracht. Plattenspieler mit Riemenantrieb sind grundsätzlich für Mix- und Scratch-DJs geeignet, allerdings mit ein paar Einschränkungen. Gegenüber direktangetriebenen Modellen haben sie oft den Nachteil, dass sie etwas langsamer auf Änderungen des Pitch-Reglers reagieren. Daher erfordert das Beatmatching bei diesen Plattenspielern etwas mehr Fingerspitzengefühl. Außerdem verschleißt aufgrund der erhöhten mechanischen Belastung der Antriebsriemen schneller als beim normalen Abspielen der Platten und muss öfters erneuert werden. Ein weiteres Argument spricht gegen riemengetriebene Laufwerke: In der Regel verfügen sie nämlich über keine „Bremse“, die ein schnelles Abstoppen des Plattentellers erlaubt.

In Sachen Drehmoment gibt es riemenangetriebene Plattenspieler, die direktangetriebenen durchaus das Wasser reichen können. Wenn man sich als DJ für ein solches Modell entscheidet, dann sollte dieser definitiv einen geregelten Gleichstrommotor haben.

Direktantrieb

Beim Direktantrieb treibt ein geregelter Gleichstrommotor den Plattenspieler direkt und ohne Zwischengetriebe an. Da der Motor allein die Nenndrehzahlen von 33 & 45 RPM einhalten muss, werden bei dieser Bauart starke Motoren mit einem hohen Drehmoment verwendet. Jede Drehzahlabweichung wirkt sich direkt auf den Plattenteller aus. Für die Gleichlauf-Stabilisierung sorgen in der Regel aufwendige PLL-Regelkreise.

Hochwertige, direkt angetriebe Plattenspieler arbeiten mit kollektorlosen Gleichstrommotoren. Bei dieser Bauart bewegen Statorspulen einen Ringmagneten (Permanent-Magnet). Die sogenannten Hallsonden steuern dabei in Abhängigkeit von der Stellung des Plattentellers die Statorspulen. Die zur Regulierung nötige Steuerspannung erhält der Antrieb über einen Phasenvergleicher, der die Frequenzen eines am Motor befestigten Generators mit einer Referenzfrequenz abgleicht. Ein Quarzgenerator liefert diese Referenz, welche anschließend durch einen Referenzteiler geteilt wird. Dessen Teilerverhältnis ist umschaltbar und sorgt für die Umschaltung von 33 auf 45 RPM. Der Pitch-Regler nimmt beim Direktantrieb Einfluss auf die Frequenz des Quarzgenerators.

Bei direktangetrieben Plattenspielern werden zwei verschiedene Motorvarianten angeboten. Da wäre zunächst die Variante mit komplett im Chassis integriertem Motor. Bei diesen Modellen wird der Plattenteller direkt von der Motorspindel angetrieben. Beispiele hierfür sind der Numark TT-1650 und der Vestax PDX 3000 MK II. Alternativ können Motor und Plattenteller auch eine Einheit bilden. Hier sind lediglich die Stator- und Generator-Spulen fest mit dem Chassis verbunden. Diese bewegen einen Ringmagneten, der sich unterhalb des Plattentellers befindet. Exemplarisch hierfür sind die Technics SL-1200/1210-Serie und der Numark TT-500.

FAZIT

Wer beim Kauf eines Plattenspielers auf die im Text beschriebenen Merkmale achtet, wird sicher leicht das Modell finden, das für ihn am besten geeignet ist. Ein besseres Verständnis seiner Funktionsweise hilft außerdem generell, Fehlerquellen schneller zu finden und zu beseitigen. Eines sollte hier klar geworden sein: Plattenspieler waren und sind raffiniert konstruierte Geräte, die zur optimalen Handhabung ein Mindestmaß an Hintergrundwissen erfordern. Wer aber nun glaubt, alles hierüber zu wissen, der liegt falsch. Themen wie die Flankenschrift (Stereoschrift), Nass-Abspielen von Schallplatten, Schneidgeschwindigkeit und vieles mehr könnten Anlaß für einen zweiten Teil dieses Plattenspieler-Features werden. Ganze Fachbücher wurden darüber geschrieben und mehr würden unseren begrenzten Rahmen sprengen. Außerdem liegt der wahre Spaß in der praktischen Anwendung. Also, ran an die Decks und lasst die Platten rotieren!

//Foto via CC von miss.anitsa bei Flickr || Angepasster Text, Urheber DJ Rick Ski via Bonedo

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